Coprian 2 - FRIEDERIKE TEN DOORNKAAT

 

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:  Salzwasserfahrten 2 

 Erlebnisbericht einer Seefahrt

Band 50:

Trampfahrt worldwide

mit FRIEDERIKE TEN DOORNKAAT

Band 50 in der maritimen gelben Buchreihe Zeitzeugen des Alltags

 von

Jürgen Coprian

Salzwasserfahrten - 2 -

Trampfahrt worldwide

mit

"FRIEDERIKE TEN DOORNKAAT"

 Beginn als Funker ab 1967

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Inhalt       Band 50:     Beiträge:

 

Seefahrtschule Bremerhaven – Jobsuche ………………………

Schwerer Start – Leben als Seefahrtschüler – Das Geld wird knapp – Falsche Reederei – Geschafft

Anmusterung in Triest – nach New York – Kanada……………

Erster Dampfer als Funker – Werft – Anfängerprobleme – Reise nach Genua – Zollprobleme – Unter dem Hungerkreuz nach New York und Boston – St. Lorenz-Golf – Kartoffeln und Weihnachtsbäume für die Karibik

In die Karibik – nochmal „Staaten“ – Orkanreise ins Mittelmeer...

Ein markanter Felsen zu Weihnachten – Voll Schiff Zucker ins frostige Boston – Volles Rohr Getreide von Chesapeake nach Sardinien – Weg für alte und schwache Dampfer – Neun Tage Orkan und dann keinen Diesel mehr – Noch mal davon gekommen – Verklarung in Cagliari – Neapel – Spanischen Reis laden für Indonesien – Ceuta

Von Ceuta nach Indonesien……………………………………..

46 Tage ums Kap nach Djakarta – Tandjung Priok - Cigarettenwährung – Nachtleben im Seemannsparadies - Einbruch – Wo zum Geier ist Gladstone? – Besuch auf der Höchst

Durch tropische Meere nach Ostaustralien – zurück nach Singapur…

Tausende Meilen ohne Seekarten – Mit Übersegler

durch Java-See - Banda-See - Arafura-See nach Thursday Island - weiter durchs Great Barrier Reef nach Gladstone und alles ohne Zigaretten – Blitzladen in Gladstone - Proviant und Kantine – Allgemeine Unpässlichkeiten – Die Hälfte unserer Stores fehlt

Singapur – Cochin – Lobito – Sète………………………..

Bunkern und Bumboats – in Cochin – Shake-hands-Dampfer – Gewürze und Vasco da Gama – Tausende Meilen in Ballast – Tückisches Riff Minikoy – Bunkern in Durban und noch immer in Ballast – SOS und der Untergang der TEXACO FRANKFURT – Kurs Heimat und dann doch zurück – Lobito – Aufstand wegen Schwarzbart – Weiter Richtung Mittelmeer

Südfrankreich – Westafrika – Bremen………………..

Crew-Wechsel in Sète – Der Siebteltonner – Zuckerhüte für Mauretanien – Noakschott – Ein Sonntagsausflug mit Folgen – Lagos – Biafrakrieg – Bier von Oldendorff – Rüberrobber mit Handicap – Noch einer zuviel an Bord – Malaria tropica – Nothafen Las Palmas – Eine Festnahme – Bremen Ende der Reise


 

Leseprobe:

Bei der Aufnahmeprüfung bin ich mit Glanz und Gloria durch­ge­donnert.  Das ist mir klar, als der letzte Piepser im Kopfhörer verstummt ist.  Ein Blick hin zu den Nachbarn links und rechts bestätigt meine Ahnungen.  Dort nur eng beschriebene Zeilen, Klartext und Code, jeweils das halbe Blatt voll.  Bei mir dagegen ab und zu mal zwei oder drei Buchstaben in Folge, der Rest – Lücken.  Der Fall ist gebongt – gut, dass ich meine Geschirrkiste noch in Hamburg stehen hab’, da kann ich mir ja gleich wieder ‘n Dampfer als ‚Blau’ suchen.

Na ja, dieser Prüfungsmensch da vorne schickt uns erst mal in eine Kneipe gleich da an der Ecke: „...da geh’n die immer hin... Inzwischen sehe ich mir das Zeug hier mal an.“

Zu sechzehnt sind wir hierhergekommen, dreizehn Mann und drei Damen, um das Funkerhandwerk zu erlernen.  Sonderzeugnis für den Seefunkdienst heißt das Ziel amtlich.  Altbefahrene Seeleute nennen es dagegen etwas abfällig ‚Schellfischpatent’.  Grundsätzliche Voraussetzungen für diesen Lehrgang sind:

a) polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge

b) gutes Deutsch in Wort und Schrift

c) Grundkenntnisse in Morsetelegrafie – also Telegrammaufnahme in Tempo 50.

An Telegrafiefunkern herrscht echter Mangel an der Küste.  Nur deshalb wurde diese neue Position Sonderfunker mehr aus der Not heraus überhaupt eingerichtet.  Reeder haben ja einen guten Draht zu den Regierenden, wenn es denn sein muss.  Weil diese stark verkürzte Ausbildung in der Tat ein Schnelllehrgang ist, müssen die interessierten Teilnehmer mit der Aufnahmeprüfung hier heute in der Seefahrtschule Bremerhaven nachweisen, dass sie „Tempo 50“ auch wirklich aufnehmen können.  Die meisten der Prüflinge kommen direkt oder über Umwege „vom Bund“ oder sie sind Funkamateure oder - was weiß ich.  Ein Friseur, ein Lkw-Fahrer ist dabei, ein Bäcker, ein Ing.-Assi.  Mein ganzes Können beschränkt sich darauf, mit Mühe und Not die Morsezeichen auswendig gelernt zu haben.  Wochenlang habe ich im Selbstunterricht mit Hilfe einer Spielzeug-Morsetaste, eines Summers, und meinem Grundig-Tonbandgerät TK31 drauflos geübt.  Dass ich das verlangte Tempo 50 noch keineswegs so ganz drauf habe, ist mir jetzt sehr deutlich geworden.  Mir selbst kam das allerdings eher vor wie Tempo 200.

Als wir uns nach der vorgegebenen Dreiviertelstunde in der Klasse wieder einfinden, macht‘s der Pauker kurz: „Meine Damen und Herren, das Ganze ist in etwa so nach meinen Erwartungen verlaufen.  Es haben alle bestanden...“ – „Donnerwetter!“ denke ich. - „…außer...“ - „Alles klar, das ist jetzt das Aus für mich!“ - „…den Damen Mohr und Sommer und Herrn Coprian.“ - „Hallo“, denk ich, „die Geschirrkiste ruft!“ - „Aber“, fährt er fort, „da wir hier noch einige Plätze frei haben, gebe ich Ihnen Dreien die Chance, zunächst einmal probeweise an dem Lehrgang teilzunehmen, sagen wir für etwa vier Wochen.  Dann wird es sich absehen lassen, ob es für Sie noch weiterhin Zweck hat.  Aufgrund meiner bisherigen Erfahrung in solchen Fällen müssen Sie allerdings damit rechnen, dass Sie bei der Hauptprüfung im Juli durchfallen und danach dann einen Schwanz von sechs Wochen dranhängen müssen.“  Und – ja, ganz genauso kommt dann ja auch alles.

Als frischgebackener Seefahrtschüler suche ich mir zuerst mal eine Bude und habe Glück.  In der Rheinstraße, ganz in der Nähe von der Schule.  Das Zimmer ist Spitze, groß und hell und mit Blick über den Holzhafen  –  wohl seit Jahrzehnten schon in einen ansehnlichen Park mit Teich umgewandelt – bis hin zum Yachthafen mit seinen zahlreichen schwankenden Masten.  Der Schulweg zu Fuß ganze acht Minuten – oder auch nur drei mit dem Wagen.  Emma Oest, eine Lotsenwitwe hoch in den Sechzigern, umsorgt uns aufs Beste.  Außer mir hat sie noch an einen A6-Schüler vermietet.

Ich habe meine Chance erhalten und bin gewillt, sie zu nutzen.  Wir haben nur wenige Fächer.  Der Tag beginnt morgens um acht mit einer Stunde Hören, gefolgt von einer Stunde Geben.  Über der Tür zum Gebesaal mahnt ein gerahmter Spruch, der auch über einem Boxring hängen könnte: „Geben ist seliger denn Nehmen.“  Stimmt!

Unsere Klasse ist nach und nach etwas geschrumpft: Auch eine der (durchgefallenen) Damen, Ehefrau eines 1. Offiziers bei der Hamburg-Süd, schmiss nach wenigen Tagen schon das Handtuch; nun ist es also nichts mehr mit dem geplanten schönen Zusatzeinkommen, wenn sie ihren Mann auf seinen Reisen begleitet.

Hören heißt: Über einen so genannten ‚Grid’ werden alte Lochstreifen mit der Funkpresse vom „Hamburger Abendblatt“ abgespielt, die wir über Kopfhörer aufnehmen und per Hand mitschreiben, ebenso Codebänder mit Fünfergruppen, Ziffern und Buchstaben gemischt.  Und wir versuchen, alles möglichst fehlerfrei mitzuschreiben.  Verdammt, ich krieg das nicht in meinen Kopf rein.  Aber unser Funklehrer Müller-Roehlk sagt tröstend, das braucht lange – und irgendwann, dann gibt es so einen gewissen Klick im Gehirn, und dann hat man’s drauf.  Na denn, sein Wort in Gottes Ohr.  Mit dem Geben verhält es sich anders herum.  Man hat ein Blatt mit Text vorzuliegen, die Hälfte davon in Klartext, die andere in Gruppen von Fünfercode, vielfach gemischt mit Buchstaben, Zahlen und Zeichen.

Weitere Fächer sind Funkbetriebsabwicklung, Gesetzeskunde und etwas Wetterkunde und dazu noch Grundlagen der Funktechnik.  Und massenhaft Q-Gruppen.  Alles lässt sich zu Hause büffeln, nur nicht das Hören.  Wie kann ich bloß auf meiner Bude richtigen Telegrafie­funk „live“ empfangen?  Wilfried Zigan, einer der Mitschüler, besitzt einen richtigen Funk-Empfänger.  Nie gesehen so was.  Ein Traumgerät.  Der kann damit im Original den ganzen Seefunk abhören bis nach Nahost.  Wo kriege ich bloß auch so was her?  Der Zigan ist jahrelang als Ing.-Assi gefahren und hat die Nase voll vom Fettkeller.  Und zwar gestrichen, wie er sagt.  Es ist sein dritter Anlauf zur Funkerei.  Bereits zweimal ist er bei der Hörprüfung durchgeknallt.  Noch eine Chance wird ihm nicht gegeben; die Post hat da ihre Grundsätze.  Der Zigan sagt, in Braunschweig gibt es ein Spezialgeschäft für Amateurfunker, da müsste ich so was kriegen.  Hab ich nicht eine Tante in Braunschweig zu wohnen?  Ich denk, ich fahr’ da einfach mal hin.

Der Zigan ist ein „Exi-Typ“, wirkt ein bisschen wie ein Professor, dunkle Hornbrille und so.  Außerdem sieht man ihn nie ohne sein mausgraues Tweedjacket.  Er wohnt in Lehrte bei Hannover, ein Kaff, das in der Hauptsache aus einem riesigen Rangierbahnhof besteht.  Seit Kaisers Zeiten schon werden hier die Versorgungszüge für „Groß-Berlin“ zusammengestellt.  Daher hat der „Lehrter Bahnhof“ in Berlin seinen Namen.  Ansonsten verströmt der Ort keinerlei Charme.  Ich setze den Wilfried am Freitagnachmittag zu Hause ab und fahre weiter nach Braunschweig.  Die Fahrt dorthin wird ein Erfolg.  Tante Lotte hat mir großzügig was drauf gepackt, und so bin ich jetzt stolzer Besitzer eines 470 Mark teuren TRIO Communications-Receivers vom Typ 9R-59DE, made in Japan…

Als ich Wilfried zwei Tage später zu Hause abholen will, bin ich eingeladen, bei ihm und seiner Frau zu übernachten.  Wir wollen dann ganz früh am Morgen nach Bremerhaven zurück fahren.  Okay.  Lehrte ist tot.  Wir fahren mal eben nach Hannover rüber, nur mal zum Gucken.  Hannover ist an einem regnerischen Sonntagabend auch alles andere als aufregend.  Eine, zwei Kneipen – danke, das war’s dann auch schon.  Bei der Rückfahrt auf der Autobahn kurz vor Lehrte wandelt sich der Nieselregen schlagartig in einen Wolkenbruch.  Der Scheibenwischer streikt.  Es ist zappenduster und die Sicht nahe Null.  Aber Wilfried ist alt erfahrener Tramper und hat die rettende Idee.  Ich kurbele das Faltdach auf, Wilfried stellt sich auf die Rückbank, reckt sich zum Dach raus und betätigt die Scheibenwischer von Hand.  Da muss man auch erst mal drauf kommen.  Prima.  Einen Moment später dann fällt das Fahrlicht total aus (das beim alten Käfer ja ohnehin sehr schwach auf der Brust ist).  Neuer Alarm: Wilfrieds Frau schreit: „Feuer – hier brennt was!“  Oh Gott – was ist das denn?  Das Fahrlicht zuckt ein, zweimal für kurze Momente wieder auf, und ganz vage erkenne ich rechts voraus ein blaues Autobahnschild „Parken 200 Meter“.  Der Wagen rollt nur noch, Wilfried setzt sich hin, seine Frau hinten gerät vollkommen in Panik.  Wir sind in völliger Dunkelheit.  Irgendwie schaffe ich es, mit letztem Schwung den ausrollenden Wagen auf den Parkplatz rauf zu kriegen.  Türen auf, wir springen raus.  Im gleichen Moment flammen die Scheinwerfer wieder auf.  Vor uns parken vier oder fünf Autos auf dem Seitenstreifen.  Alle wie sie da sind, lassen sie sofort den Motor an und rasen weg mit (sozusagen) quietschenden Reifen.  Der Parkplatz ist wohl in der Gegend alt eingeführt als Lovers Lane, und die dort knutschenden Pärchen haben sicher gedacht: Jetzt startet hier der ganz große Überfall.

Von Feuer im Auto keine Spur.  Die Ursache für die Panne ist schnell gefunden.  Die Batterie des Käfers hat ihren Platz hinten links unter der Rückbank.  Normalerweise ist sie abgedeckt mit einem Deckel aus Stahlblech.  Der aber fehlt gänzlich bei meinem schon 14 Jahre alten Exemplar (aus vierter Hand), wie sich gleich zeigt.  Durch das auf einen Fuß konzentrierte Körpergewicht von Wilfried bog sich die Rückbank soweit nach unten durch, dass die Stahlbänder der Polsterung mit den beiden Polen der Batterie optimalen Kontakt erhielten, und so erleben wir angehenden Funker mal in der Praxis einen richtigen Kurzschluss allererster Güte.  Das Stahlband war sauber durchgeschweißt!  Was tun?  Zwei Schulhefte über die Batteriepole gelegt, und schon war die elektrische Anlage wieder in betriebsklar.

Der neue Empfänger ist genau richtig.  Ab sofort zwitschert mir jede freie Minute Telegrafie „Live“ in die Ohren.  Erste Erfolgserlebnisse, als ich Bruchstücke von langsam gesendeten Wetterberichten aufschnappe und mitschreiben kann.  Nach fünf Wochen vorsichtige Anfrage bei Müller-Röhlk, wie es denn so aussähe für mich.  „Bei Ihnen, Herr Coprian, sehe ich immerhin schon Licht am Ende des Tunnels; bleiben Sie weiter dran.  Aber die Frau Mohr und Herr Will, da sehe ich … hmmm…“  Die Uschi Mohr ist die Nichte von Müller-Röhlk, aber um Morsezeichen sicher aufnehmen zu können, da nützen auch verwandtschaftliche Beziehungen herzlich wenig.  Und Opa Will – ja… der ist mit 54 Jahren der älteste von uns.   Er fuhr zuletzt als 2. Nautischer Offizier mit A4 und hat ganz richtig erkannt, dass der Funkerjob weniger aufreibend ist als der eines Steuermanns mit Seewachen und Einlaufen bei Tag und Nacht und durch die Luken toben usw.  Also möchte er es die letzten Jahre bis zur Rente noch mal leichter haben.  Wenn wir in der ersten Stunde morgens eifrig über Kopfhörer die alten Pressebänder abhören und mitschreiben, passiert es hin und wieder, dass Opa Will mal laut „Paris“ ruft oder „London“ oder sogar „Washington“.  Zum Beweis, dass er immerhin mal einen Städtenamen korrekt mitgekriegt hat.

Gelegentlich kommt beim abendlichen Büffeln der Jan rein, der A6-Mann, und er sagt: „Komm, lass den Scheiß liegen, wir fahren jetzt ein Bier trinken.  Und das tun wir denn auch, jumpen in seinen R4, und ab geht’s in Richtung Kneipenviertel an der unteren „Bürger“ und in einen von den zig Schuppen da rein.  Die Lokale sind voll, und das Bier läuft in Strömen.  Und jede Menge junge Damen, die gerne einen abkriegen wollen.  Am liebsten doch gleich einen angehenden Kapitän!  Ach, was kann das Leben schön sein! ‚Tuskulum’ und ‚Kleine Möwe’ und ‚Orkan’ und wie die Läden alle heißen.  Es gibt noch weitere Kneipenviertel in Bremerhaven – die Rickmersstraße, das Petroleumviertel und die Hafenstraße, und das ist noch nicht alles.  Bremerhaven hat die meisten Kneipen Deutschlands und dazu noch – die meisten Taxis – relativ natürlich.  Unsere Hauptsorge, wenn wir unterwegs sind, ist eigentlich, wo ist denn noch ein Parkplatz frei?

Bremerhaven trägt den Beinamen „Stadt am Meer“.  Die Seefahrtsschule in der Bussestraße liegt direkt an den Schleusen zum Fischereihafen.  Bremerhaven ist derzeit das Zentrum der deutschen Hochseefischerei.  Es gibt viel zu gucken da.  Alte Trawler und hochmoderne Fischfabrikschiffe wie die „ERICH OLLENHAUER“ und „TIKO I“ hat man von der Terrasse der Schule im Blick – gleichsam auf dem Präsentierteller.  Es sind Deutschlands größte, und sie gehören der Gewerkschaft NGG...

...Ich erfahre später mehr über die Fischerei.  Wilfried ist ja mal in der Maschine gefahren.  Die Zustände auf den Fabrikschiffen sind vergleichsweise erträglich.  Da herrscht eine gewisse Ordnung.  Anders auf den Trawlern, den Seitenklatschern.  Ein wahnsinnsharter Job.  Wenn die Fischgründe in den nordischen Meeren um Island, Grönland oder Jan Mayen nach mehrtägiger Fahrt erreicht sind, dann ist Schwerstarbeit angesagt.  Für alle.  Der Alte hat ‚das Ganze’ auf der Brücke.  Der Funker steht am Ruder, wenn er nicht gerade Wetterberichte reinholt, Fangmeldungen abhört oder verschlüsselt über Norddeich an die Reederei abgibt.  Sechzehn, achtzehn Stunden – mit kaum einer Pause – stehen die Männer an Deck schenkeltief im Fisch.  Rotbarsch, Kabeljau, ‚Katzen‘, auch mal ein Knurrhahn, alles was das Meer so hergibt.  Auch die Steuerleute sind voll mit dabei.  Sobald wieder ein neuer Hol reinkommt, heißt es Fische killen.  Die vom Salzwasser und scharfen Fischschuppen aufgeplatzten Hände eiskalt über Stunden.  Beim Schleppen höchstens mal vier oder fünf Stunden Schlaf, ungewaschen fällt man in die Koje.  Das geht solange durch, bis der Dampfer voll ist bis zum Stehkragen.

Und wofür das alles?  Es wird Geld verdient bei der Fischerei.  Viel Geld!  Es gibt keine feste Heuer, die Bezahlung richtet sich allein nach Anteilen vom Fang.  Beim Anmustern werden die Prozente ausgehandelt, die der einzelne so kriegt.  Normale Deckshands bekommen je nach Alter und Erfahrung zwischen ein und zwei Zehntel, Netzmacher, Steuerleute, der Funker fünf bis sieben Zehntel, die Prozente vom Alten sind geheim.  Wenn der eine gute Nase hat für den Fisch, also schnelle Reisen macht, dann zahlt ihm die Gesellschaft gern einen hohen Anteil, und der kann ganz schnell reich werden dabei.  Deswegen wollen alle bei so einem Alten fahren, auch wenn der sie noch so schindet und schlecht behandelt.

Mancher Fischdampferkaptain schlägt auch schon mal zu,  so wie der auf der „HANS HOMANN“.  Mindestens das Anderthalbfache holt der raus wie die andern.  Dafür musst du schon mal ’n Tritt wegstecken.  Der Ton ist immer rau, nicht herzlich.  Egal, alle sind sie scharf aufs Geld und ertragen widerwillig jede Plackerei.  Es ist schwer, Leute zu bekommen für die Fischerei.  Man nimmt alles.  Es sind verdammt viele krumme Typen darunter.  Unter denen haben die Starken das Sagen.  Stark ist auch, wer sich nicht ziert, zuerst zuzuschlagen.  Knastologen, Gewalttäter, Leute mit denen man nicht befreundet sein möchte, die man in früheren Jahrhunderten auf die Galeeren schickte, der Müll der Gesellschaft.

Ist der Fang an Bord, Eis und Salz aufgebraucht, geht es heimwärts.  Vor Fangende ist Alkohol strengstens verboten.  Erst danach wird das Freilager aufgemacht.  Freilager?  Das ist das, was vor Ausreise jeder so an alkoholischen Getränken beim Schiffshändler privat eingekauft hat und was dann vom Alten unter Verschluss verwahrt wird.  Dann aber gibt es kein Halten mehr, geht es los mit der Sauferei.  Bis zum Exzess.  Dann muss der ganze Frust weg, egal wie.  Bis dann alle nach und nach erschöpft umkippen und sich zwischendurch mal ausschlafen.  So ein paar wenige fahren dann den Dampfer irgendwie zum Heimathafen zurück.  Von der Terrasse unserer Schule aus hab ich so die eine oder andere halb besoffene Besatzung in die Schleuse reinkommen gesehen…

Manchmal fahren wir in die Rickmersstraße, trinken ein paar Bier oder Cuba Libre in ‚Chico’s Place’, einer miefig verräucherten Eckkneipe.  Chico ist rabenschwarz, stammt aus Nigeria; Sohn eines Häuptlings, wie es heißt.  Zu besonderen Gelegenheiten zieht er seine knallbunte Nationaltracht an, sein Häuptlingsgewand und das gestickte Käppi.  Der Schuppen ist die Stammkneipe für die Schwarzen auf den Amidampfern.  Und noch eine spezielle Kundschaft kommt von weit her.  Sogar von Hannover reisen sie hier an, die flippigen Studententypen, Hippies und Artverwandte.  Was treibt sie her und was ist das besondere an Chico’s Place?  Die Musik!  Der hat Unmengen schwarzer Musik in seiner Juke-Box, von Afrika, von der Karibik und die herrlich schwermütigen Soul- und Blues-Platten von den Südstaaten.  Platten, die man nirgendwo sonst weit und breit zu hören bekommt.  Dröhnend laut und schön.  Kommt schon mal vor, dass man darüber Zeit und Raum vergisst.  Als altem Kingston-Fahrer wird einem warm ums Herz – vor allem, wenn man sich genug Rum n’Coke auf die Lampe gekippt hat.

Apropos Lampe.  Zweihundert Meter weiter gegenüber von Chico sind die ‚Germania Stuben’, eine im Grunde eher langweilige Bierkneipe, aber billig!  Was war das bloß noch für ein Labber-Bier?  Egal, kostet nur vierzig Pfennig bei dem.  Und das zählt.  Der Wirt ist ein alter verfetteter Ur-Sachse.  Sagt der einmal: „Wolldo ma een aus do Lambe hahm?“  Nachdem die sprachlichen Probleme nach entsprechender Nachfrage geklärt sind, kippt er uns ein’n ein, jedem einen Schnaps-Stemper voll aus neutraler Flasche, gelblich-klar der Stoff.  „Prost!“ und runter damit.  Er selber auch.  Wow!!!  Da bleibt einem nur noch übrig, laut „Hi…Hi-hilfe… Bier!  Schnell!“ zu rufen und: „Was is’ das denn, zum Henker?!“  Der Stoff brennt wie flüssiges Blei.  „No, des is eeno aos do Lambe“, sagt der Wirt.  „S’güd zuo Vodaoung“, schiebt er nach und freut sich.  Und kippt sich gleich noch einen hinter her.  Wir erfahren das Geheimnis: Einen Demijohn aufgefüllt mit Doppelkorn und reichlich frischen Peperoni dazu; das Ganze vierzehn Tage in die Sonne gestellt, die Peperoni raus und den Stoff umgefüllt, und das war’s.  Der Trick beim Trinken ist der, dass man sich das Zeug möglichst direkt in den Schlund schleudern muss, dann beißt es nicht.  Und ist wahrhaftig „gut zur Verdauung“.

Es gibt noch jede Menge andere Kneipen in Bremerhaven. Da ist die ‚Kleine Möwe’.  Der Laden lebt in der Hauptsache von den Seefahrtschülern.  Auch nichts weiter los – außer Susi!  Susi ist süß und schnuckelig, zum Anbeißen.  Sie schmeißt den Laden alleine.  Man kommt immer mal zwischendurch rein in die Kleine Möwe, zippelt ein paar Runden aus mit Susi und wer sonst da gerade rumsitzt und haut dann wieder ab.  Nachdem man das Wechselgeld in die Dreiliter-Tropfkerzenflasche reingeworfen hat.  Und ein Glückspilz, der geraten hat, wie viel Geld zu irgendeinem Stichtag da drin sein würde.  Der dann beim feierlichen öffentlichen Zählen mit sechs Pfennig Differenz zur Endsumme gesiegt hatte, durfte die rund zweihundertsechzig Mark einsacken.  Alle wollen sie gar zu gerne ran an Susi, davon lebt der Laden.  Susi macht das hier nur als Zweitjob.  Tagsüber arbeitet sie noch im Kiosk auf der Blexen-Fähre.  Aber – no chance; auch Susi möchte gerne einen angehenden Kapitän abkriegen.

Wenn alles andere schließlich dicht ist, fährt man als brünstiger Gockel zum Schluss noch zur ‚Constanze-Bar’.  Vornehm-diskret die Einrichtung.  Gedämpftes Licht.  Sehr gepflegte, wahrhaftige Damen hinterm Tresen und davor.  Einfach nur wunderschön sind die und plaudern gedämpft mit den anderen brünstigen Gockeln.  Großzügig spendiert man Ladydrinks vom Feinsten.  Trotzdem nicht ranzukommen für unsereins.  Verdammt noch mal, ich muss diesbezüglich was unternehmen.  Irgendwann ergibt sich was mit Uschi.  So ein paar Wochen lang.  Was willste machen; in der Not frisst der Teufel Fliegen.  Uschi will umziehen und braucht ein paar Klamotten aus der elterlichen Wohnung in einer weit entfernten norddeutschen Stadt.  „Okay, ich fahre dich dahin, holen wir den Kram ab.“  Der Vater arbeitet beim Bund, Zivilangestellter, Beamtentyp.  Poliert zwei Stunden lang seinen Ford Consul.  Die Mutter schleppt mich irgendwann hinten raus in den Garten, immer hoch und runter den engen Weg zwischen Kohl und Kartoffeln.  Fragt mich aus bis aufs Hemd, verdammt, die will doch irgendwas…  Bis es mir dämmert!  Die lauert auf einen bewussten Spruch – von mir (!) – von wegen „um die Hand ihrer Tochter anhalten!“  Alarm!  Großer Alarm!  Ich mach es kurz und erkläre ihr klipp und klar, dass wir nur Schulkollegen sind und nichts weiter.  Basta!

Emma leidet stark unter Einsamkeit und Depressionen.  Ihr Mann war anno 1945 in den ersten Friedenstagen als Wachmann eines Verpflegungsdepots von unbekannten Plünderern erschossen worden.  Sie vermietet die beiden Zimmer seit vielen Jahren allein schon deshalb an Seefahrtschüler, damit sie immer etwas Trubel, junge Leute um sich hat.  Einen prima Service bietet sie.  Morgens wird man geweckt, Frühstück mit Brötchen steht schon bereit, sie lässt es sich nicht nehmen, die Betten zu bauen und die Zimmer aufzuräumen, und sonntags lädt sie mich öfters zum Mittagessen ein in ihre Küche.  Während meiner Schulzeit unternahm sie zweimal - und zwar jeweils genau zu Ferienbeginn, also wenn wir nach Hause fuhren – einen Selbstmordversuch.  Ihrer Nachbarin einen Stock tiefer hat sie das schon länger angekündigt.  „Ja Frau Zylinski, ich glaub, ich häng’ mich auf.  Ich halt das nicht mehr aus, immer die Bandscheibe (worunter sie schwer zu leiden hat; sie schläft nachts in so einer Halbschale, körperangepasst aus Gips), …und überhaupt und so...“ - „Ja, aber – Frau Oest!  Das können Sie doch nicht machen, stellen Sie sich vor, wenn ich Sie dann finde, da holt man sich ja ’n Schock weg fürs Leben...“ - „Na gut, dann dreh’ ich ’n Gashahn auf...“ - „Aber – bloooß nich’, Frau Oest, dann fliegt womöglich das ganze Haus in die Luft, und das können Sie doch auch nicht wollen...“ - „Nein, da haben Sie auch recht, ja dann, – dann muss ich eben Schlaftabletten nehmen!“  Darauf hatte nun auch Frau Zylinski keine weitere Antwort mehr.

Am Abend vor den Osterferien tut sich Sonderbares.  Ich bin gleich nach der Schule mit den anderen unterwegs, um die Ferien vorzufeiern. Und so kommt es, dass ich an diesem Tag erst so gegen acht oder neun nach Hause komme und erstaunt feststelle, dass Emma Oest an diesem Tag entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheit gar nicht mein Bett gebaut hat; eine Klappcouch.  Das lässt sie sich doch sonst nicht nehmen.  Na ja.  Ich höre sie dann ziemlich geräuschvoll in ihrem Zimmer schnarchen.  Vielleicht ist sie ja krank?  Grippe oder so was.  Ich blinzelte kurz in ihr Zimmer rein, sie schläft mit offenem Mund und ganz schön laut.  Am nächsten Morgen kein Wecken (wie sonst), nichts.  Und immer noch dieses rasselnde Schnarchen.  Ich schaue wieder in ihr Zimmer.  Gefällt mir nicht.  Total weiß im Gesicht, und das Schnarchen klingt schon mehr so wie Röcheln.  Ich wecke also den Jan in seiner Bude: „Hör mal, da is’ was mit Emma, du musst da mal nachsehen (die angehenden Kapitäne werden schließlich in Erster Hilfe geschult), da stimmt was nicht...“  Er sieht sich Emma kurz an und entscheidet: „Da holen wir mal besser die Nachbarin, die Frauen ham da doch mehr Ahnung.“  Und richtig, die herbeigeholte Frau Zylinski wirft nur einen kurzen Blick auf Emma und telefoniert gleich nach den Johannitern.  Zehn Minuten später wird Emma ins Krankenhaus abgeholt.  Kein bisschen zu früh.  Sie haben sie gerade eben noch wieder zurückholen können.

Nach den Osterferien begrüßt mich Emma im Lehnstuhl sitzend und immer noch etwas schwach von ihrem Tablettenabenteuer, aber sonst ganz fidel, in ihrem Wohnzimmer: „Nein, das mach’ ich nie wieder!  Aber (mit sanftem Vorwurf), Sie hätten mich doch ruhig weiterschlafen lassen sollen...“

Es gibt eine Überraschung; etwas zu feiern.  Uschi verlobt sich.  Mit Rolf.  Sie hat sich eine richtige Wohnung genommen, und dahin sind wir eingeladen.  „Ihr könnt gerne was mitbringen“, hat sie uns aufgegeben.  Also ein paar Flaschen Schnaps und ’ne Kumme Kartoffelsalat und Würstchen.  Es wird eine ziemlich bescheidene Verlobungsfeier.  Abends sind die Getränke alle.  Am Schluss muss die halbe Gallone Gin dran glauben, die der Bräutigam, aus welcher dunklen Quelle auch immer, organisiert hat.  Ich hasse Gin!  Ich habe vor ziemlich genau einem Jahr mal in Nassau/Bahamas sehr üble Erfahrungen mit Gin gemacht.  Mir geschworen: Gin?  Nie wieder im Leben!

Zu vorgerückter Stunde ist der Stoff alle.  Irgendeiner von unseren Ex-Bundeswehrfunkern weiß, da ist doch ’ne Kaserne hier in der Nähe, ja genau, die Ortungsschule.  Da kriegen wir ganz bestimmt noch was.  Also los.  Wir kommen problemlos rein in die Kaserne, keiner hält uns auf.  Und in der Kantine ist noch Betrieb.  Wir kriegen mit Müh und Not ein Bier gegen Bezahlung.  Einer von unseren Gin-Konsumenten wird patzig, und dann klatscht es kurz und heftig; wir fliegen hochkant raus.  Sag ich doch – Gin!  Das Zeug ist Gift – ein Krachmacher!

Wochen vergehen.  Dann stehen die Sommerferien unmittelbar bevor.  Ziemlich lange dauern die, denn das sind richtige Semesterferien, und eigentlich ist mein Lehrgang ja auch zu Ende.  Aber ich bin ja – wie prophezeit – bei der Prüfung prompt durchgeknallt und muss nun einen sechswöchigen „Schwanz bauen“.  Außer mir hat es noch den Cramer erwischt und die Uschi und natürlich auch Opa Will.  Ich komme an diesem letzten Schultag mittags nach Hause, vielleicht ein bisschen spät.  Wir haben noch ein paar Biere gezischt und Wilfried am Bahnhof verabschiedet.  Ja, er hat’s im dritten Anlauf endlich geschafft.  Pumpt sich von mir 20 Mark, um nach Hause fahren zu können.  Verspricht hoch und heilig, dass er sie mir überweisen wird.  Auf dem Bahnsteig dann der Hammer: Wilfried, der große Lebenskünstler, der sonst geizt und anpumpt und sich mit allen Raffinessen bei Ausgaben jeder Art immer so durchschnorrt, der besteigt plötzlich den 1.Klasse-Waggon.  „Das war’s“, sagt er noch, „ich – fahre nie – wieder – Zweiter…“

Sozusagen ganz allein gelassen haue ich mich zu Hause leicht deprimiert aufs Sofa.  Zeit zum Grübeln.  Muss zur Toilette.  Die Klotür steht offen.  Ich bin fast drin, da sehe ich Emma da sitzen.  Nanu, so ein kleiner Fall von Altersabwesenheit?  Zurück ins Zimmer.  Nachdem sich toilettenmäßig so circa 20 Minuten lang gar nichts rührt, sehe ich mal nach.  Emma hockt immer noch da, merkwürdig in die Ecke zwischen Wand und Klo gesackt, Kopf tief gesenkt, rührt sich nicht, auch nicht als ich sie anspreche.  Da stimmt was nicht.  Ich runter zu Frau Zylinski: „Können Sie mal nachsehen?“ – „Oh Gott“, sagt die Zylinski, „nicht schon wieder...“  Recht hat sie.  Aber – diesmal ist da wohl nichts mehr zu machen.  Wir rufen die Polizei an.  Und erst die stellt dann fest, dass Emma versucht hat, sich aufzuhängen.  Ein kurzes Stück dünne Plastikwäscheleine baumelt noch oben unter der Decke an einem Rohr.  Aber die hatte sich wohl beim Einrucken am Knoten bejammt, ist gerissen, und Emma ist dann runter gefallen.  So hat sie sich stranguliert, das war auf den ersten Blick gar nicht zu sehen.  Ich werde nachmittags noch von der Kripo verhört.  Ist in solchen Fällen wohl üblich.  Abends sagt mir einer von denen freundlicherweise, es wäre alles okay, ich hätte damit nichts zu tun.  Na, wäre ja noch schöner.  Aber schade um sie.  Sie war eine freundliche alte Dame und verdienstvolle Schlummermutter für Generationen von Seefahrtsschülern gewesen, und ich hätte ihr ein angenehmeres Ende gegönnt.  Sie wollte doch nur dem Alleinsein entgehen.  Die bevorstehenden, mehrere Wochen dauernden Sommerferien, diese lange Zeit einsam in der großen Wohnung, nein, das war zu viel für sie…

Glück im Unglück.  Gleich nach Emmas Tod bietet sich Oma Kiel an, mich aufzunehmen.  Die ist bereits 84, aber noch sehr rüstig und wohnt eben um die Ecke in der Bismarckstraße.  Kaum zu glauben, aber die gräbt tatsächlich noch selbst ihren Garten um.  Auch mit ihr habe ich es sehr gut getroffen.  Das Zimmer ist ein bisschen kleiner, hat nicht diese tolle Aussicht, aber Hauptsache günstig, zur Schule ist es nicht weiter.

Ich habe Ferien, trotzdem, an eine Nachhausefahrt oder sogar Urlaub ist nicht zu denken.  Das Geld wird allmählich knapp.  Noch besitze ich meinen Uraltkäfer Baujahr 1952, und der hat nun 15 Jahre auf dem Buckel.  Zeit, dass der sich mal auszahlt.  Ich gebe eine Anzeige in der Nordseezeitung auf.  Junger Mann, eigener VW, sucht Ferienjob…  Nichts – keine Reaktion.  Zum Glück haben die Setzer einen an sich bedeutungslosen Druckfehler eingebaut, und ich verlange und erhalte eine erneute Kleinanzeige, kostenfrei.  Wieder nichts.  Tage später meldet sich ein Gerüstbaumeister; ...wenn ich Lust dazu hätte, könnte ich gerne gleich morgen anfangen, vier Mark zwanzig die Stunde!  Das ist im Jahr 1967 nun auch nicht gerade umwerfend, aber man kann ja mal sehen.

Diese Arbeit stellt in Punkto Knochenjob alles in den Schatten, was ich bis dato je erlebt habe, und das will nach fünf Jahren vor dem Mast schon was heißen.  Früh um sieben rauf auf den Laster – hinten auf die Ladefläche natürlich – zehn Minuten gefahren bis zu irgendeinem vierstöckigen Mietshaus, vor dem ein Gerüst steht.  Die anderen klettern wie die Affen nach oben, ich als Neuer bin für die unterste Lage eingeteilt.  Ich stehe also auf schwankenden Brettern quasi freihändig in fünf Metern Höhe und reiche die von oben in rascher Folge heruntergelangten, nicht eben leichten Laufbretter und hölzernen Leiterkonstruktionen nach unten auf den Laster weiter, wo schon ein Spezialist drauf steht, der sie fachgerecht zum Weitertransport verstaut.  Eine Stunde dauert das etwa.  Dann 20 Minuten Frühstück, aufgesessen und mit dem ganzen Krempel zu einer anderen Adresse gefahren, wo das Ganze wieder aufgebaut wird.  Die 13 Meter langen Leitern haben ein aasiges Gewicht – dreieinhalb Zentner!  Sie werden, nachdem sie mit Hilfe eines Seils und zwei Mann als Kontergewicht auf der untersten Sprosse von uns anderen in die Senkrechte hoch gewuchtet worden sind, zunächst mal dicht gegen die Hauswand gelehnt.  Dann klettert der Vorturner nach oben und befestigt sie provisorisch mit einem Blumendraht an der Dachtraufe oder einem ähnlichen Fixpunkt und springt dann zwecks Zeitersparnis dort oben gleich auf die nächste, zwei Meter entfernt angelehnte Leiter rüber.  Mal eben so.  Das erinnert schon stark an Zirkusartistik.  Anschließend wandern Laufbretter und die der Versteifung dienenden Diagonallatten nach oben.  Alles per Muskelkraft und mit gehörigem Tempo.  Und wenn das Haus ein bisschen höher ist, dann wird einfach nach oben hin mit weiteren Leitern verlängert.

Wie es der Zufall will, rüsten wir eines Tages in der Bismarckstraße das Nachbarhaus von meiner Wirtin Oma Kiel ein.  Es ist schon bewundernswert, wie die Kerle das schaffen – ich selbst mache genau nur das, was mir gesagt wird – diese sperrigen 13-Meter-Leitern durch das enge Treppenhaus, dort durch ein Fenster in den ebenso engen Hinterhof zu bugsieren und da dann aufzurichten.  Dass unsere Knochen dabei unwichtiger sind als schonende Behandlung von Hausflurwänden und Fensterbänken, also das versteht sich beinahe von selbst.

Einer der Kollegen von der Stammcrew ist auch mal jahrelang als Matrose zur See gefahren.  Als professionelle Mastenkletterer und Laschspezialisten sind Seeleute für den Job ja auch allerbestens geeignet.  Jetzt trauert er dieser Zeit wehmütig hinterher.  „Na ja“, meint er bedauernd, „was willste machen, wenn du verheiratet bist und ein Kind hast, und hier gibt es außerdem noch ein paar Pfennig mehr als bei der Seefahrt.“  Mag er wohl Recht haben damit, wenn auch mit einer gewissen Einschränkung.  Am Freitagnachmittag, als wir unseren Lohn ausbezahlt bekommen haben, zieht die ganze Clique mit Ausnahme von einem – dafür nun aber mit mir – in die Rickmersstraße in irgendeine billige Nuttenpiesel und da wird nun ganz fürchterlich einer draufgemacht.  Wie in jedem Beruf steigert sich mit jeder neuen Runde die große Prahlerei mit vergangenen Heldentaten.  Vor allem bei den schweren Frühjahrsstürmen im März sind sie da schwer gefordert worden, als sie ihre Hochgerüste sichern mussten und das bei Windstärke zwölf!  Na ja, es war ja auch an dem.  „Und da, wo sich die Feuerwehr partout nicht mehr rauftraute, da holten sie uns und staunten, wie wir da oben rumturnten!“  Kann ich mir lebhaft ausmalen.  Nein, bei dem Verein werde ich ganz bestimmt nicht alt werden!

Mich haben sie den ganzen Abend als Gast frei gehalten, damit ich – mein Argument ist ja, dass ich das so mühevoll Verdiente keineswegs gleich wieder versaufen will – denen nicht weglaufe und ihre Storys gebührend würdige.  Was nützt es schon diesem armen Schwein, dem ehemaligen Matrosen, wenn er zwar ein paar Mark mehr im Monat auf der Hand hat, als bei der Seefahrt, aber dafür das und mehr gleich wieder auf den Kopf haut und stockbesoffen nach Hause kommt und das Wochenende über in Sauer liegt?  Da hat seine Familie nichts von und er auch nicht.  Unter der Woche ist er dann abends schlagkaputt, wenn er nach reichlichen Überstunden endlich Feierabend hat.  Wird das durch einen – regelmäßig und gratis – garantierten Geschlechtsverkehr denn wirklich aufgewogen?

Es kommen jedenfalls ganz schöne Zechen zusammen für die Jungs, und ich erwache am nächsten Morgen mit einem Mords-Brummschädel zuhause.  Das Auto habe ich zum Glück stehen lassen.  Das allein schon ein Zeichen, dass ich sehr reichlich geladen habe.  Besoffen am Steuer?  Na, im Jahre 1967 ist das doch immer noch ein Kavaliersdelikt.  Da muss man schon sehr auffällig durch die Stadt schlingern, bis einen da die Polizei stoppt.  Derzeit gilt noch immer eine Obergrenze von 1,3 Promille, aber – die soll künftig auf 0,8 herabgesetzt werden.  Wie viel Bier kannste denn da überhaupt noch ungestraft trinken – häh?

Übers Wochenende pflege ich Kater wie auch Muskelkater gleichermaßen, und am Montag geht es dann wieder los mit der Schufterei.  Wie lange ich das wohl durchhalten werde?  Am Montagmorgen gibt’s Personalzuwachs: Ein Gymnasiast, der sich ebenso wie ich in den Ferien etwas dazu verdienen will und – ja, damit rücke ich hierarchisch in die zweitunterste Lage auf.  Am selben Abend erwähnt der Viez so ganz nebenbei, dass wir am Donnerstag einen ganz tollen Job haben; wir werden den Turm der Katharinenkirche am Hauptbahnhof einrüsten, „da fangen wir in 50 Meter Höhe überhaupt erst an...“

Das – ja, das gibt den Ausschlag.  Ich kündige für Mittwoch.  Können oder wollen die nicht verstehen.  „Tut mir leid“, sag ich, „bin für gehobene Zirkusakrobatik noch nicht fit genug und schon gar nicht in solchen Höhen, nein danke!“ - „Ja, aber bei uns hat es noch nie einen Unfall gegeben!“ - „Dann“, sagte ich, „werde ich eben euer erster Unfall sein und euer ganzes Renommee ist im Eimer.  Nein, auch wenn ich da oben wieder in die unterste Lage zurückkäme, das wäre mir dann immer noch so kleine 45 Meter zu hoch!“  Nach zehn Tagen gefahrvoller Schufterei bis zur Erschöpfung schmeiße ich den Job hin.  Das Ende meiner Ära als Gerüstbauer und das letzte Mal, dass ich für Geld körperlich geschuftet habe – hoffe ich.  Gleichzeitig das erste Mal in meinem Leben, dass ich freiwillig aufgebe.

Trotz meiner knapp werdenden Finanzen schaffe ich es, irgendwie über die Runden zu kommen.  Tagsüber büffele ich Hören, Geben und Gesetz, bis mir der Kopf raucht.  Der nächste Lehrgang hat begonnen, und wir zwei Durchgefallenen – Cramer und ich – nehmen während der uns auferlegten sechs Wochen „Schwanz“ an deren Unterricht teil.  Für Opa Will und dickes Uschi ist die Funkerei gelaufen, die tauchen nicht mehr auf.

Meine Entwicklung in Sachen Hören macht Fortschritte.  Hurrah!  Der von Müller-Röhlk angekündigte „Klick“ in meinem Kopf hat jetzt tatsächlich stattgefunden.  Aber – für die herannahende Prüfung reicht es noch immer nicht so ganz.  Ich bekomme zunehmend Anfälle von Prüfungsstress, bis hin zu leichten Magenkrämpfen und Alpträumen.  Bin schließlich so geschafft, dass ich zum Arzt gehe und mir Valium verschreiben lasse.

Abends gehe ich Bier trinken. So nach und nach habe ich nämlich herausgefunden, dass weder vollkommene Nüchternheit, noch – verständlicherweise – ein gehöriger Kater beim morgendlichen Morse-Hören in der Schule optimale Ergebnisse erbringt.  Aber – bei einem bestimmten Mittelmaß im Bierverzehr verzeichne ich spürbare Erfolge.  Anhaltende Versuchsreihen auf diesem Gebiet verschaffen mir zuverlässige Erfahrungswerte.  Meine Leistungsspitze beim morgendlichen Hören ist dann erreicht, wenn ich abends zuvor genau vier kleine Biere gezischt habe.  Als weitere Therapie gegen Prüfungsstress hat mir der Doktor dringend Schwimmen empfohlen: „Schwimmen entspannt und beruhigt!“  Also ziehe ich täglich im Bremerhavener Hallenbad meine Bahnen.

Am 2. Oktober 1967 ist der große Tag da.  Pünktlich morgens um fünf vor zehn finden wir uns in der Bremer Oberpostdirektion zur Prüfung ein.  Ich habe mein Programm durchgezogen: Abends vier Bier im „Mövensteert“ mit der dringenden Bitte an die Wirtin, mich dann ja rauszuschmeißen!  Sie tut’s, und nicht nur das – nein, sie bringt mich sicherheitshalber noch mit ihrem Wagen bis an meine Haustür und achtet sogar darauf, dass diese auch hinter mir zuklappt und nicht wieder aufgeht, wie sie mir am nächsten Tag erzählt.  Dann eine Valium 5.  Morgens um halb acht ins Hallenbad, anschließend den Cramer in die Kiste eingeladen und ab nach Bremen.

Als Prüfer ist derselbe Postamtmann namens Schultz da wie auch bei der zurück liegenden Hauptprüfung: Prototyp eines preußischen Beamten mit angegrautem Kommisskopp und Poposcheitel.  Zackig streng ist der Kerl.  Aber vielleicht ist das nur äußerlich.  Das Hören bestehe ich mit Glanz; es ist der gleiche Text wie bei der Hauptprüfung.  Zufall oder Fairness?  Prüfungsangst und Nervosität können ganz schön wehtun.  Das Geben schaffe ich auch – mit Ach und Krach; zehn Fehler mache ich, und zehn sind maximal erlaubt.  Der befürchtete „Telegrafierkrampf“ – ja, den gibt es wirklich – ist mir zum Glück erspart geblieben.  Das Fach Gesetz ist nur noch eine Formsache; nach all der Büffelei ist mein Wissensstand heute kaum niedriger als der des Prüfers.

Es folgt eine bange halbe Stunde: „Gehen Sie mal ein bisschen um den Block, damit wir das hier überprüfen können.“  So oder ähnlich verläuft das wohl täglich bei Tausenden von Prüfungen, und überall liegt bestimmt der gleiche Klumpen im Magen.

Aber dann geht’s ganz schnell.  Eine Unterschrift – die Verpflichtung auf das Fernmeldegeheimnis, - und mit dem anschließenden Gratulationshändedruck erhalten wir den lang ersehnten Zettel: Das Seefunksonderzeugnis – Ship Radiotelegraph Operator’s Special Certificate.  Oder wie anfangs gesagt – das Schellfisch-Patent.  Ein Bier achteran, ein Telegramm an Muttern: „Bin seit 10 Minuten Patentinhaber.“  Zurück in Bremerhaven abends im „Mövensteert“ mit den anderen, die noch nicht so weit sind, einen gezischt; aber diesmal erheblich mehr als vier Bier.  Der Wirt, ein überaus freundlicher Italiener mit seiner deutschen Frau; beide sind lange Jahre als Stewards auf diesem betagten italienischen Auswanderungsschiff „CASTEL FELICE“ gefahren, mit dem ich vor Jahren mehrmals in Australien – damals noch als ‚Juzi’ auf der „BLUMENTHAL“, aber die von Hapags war das – zusammen an einer Pier gelegen habe...



Leseprobe:

 

...Die Löscharbeiten gehen zügig voran.  Zum Schluss werden kleine Raupen in die Laderäume gesetzt, die mit vorgehängter Schaufel die letzten Zuckerhaufen zusammen schieben.  Unsere Decksgang wird viel Spaß haben, die Luken von den klebrigen Resten zu säubern.  Die Anschlussreise hat der Alte morgens bekannt gegeben: Mit Kohle von Hampton Roads zum Nordkontinent zurück.  Na, prima, dann brauchen die Luken ja diesmal nicht gar soo gründlich sauber zu werden.  Aber nein, als wir bereits dorthin unterwegs sind, kommt neue Order.  Nach Newport News sollen wir jetzt, was entfernungsmäßig zwar keinerlei Unterschied macht, weil es in derselben Bucht liegt – nämlich auch am Ausgang von der Chesapeake Bay.  Aber als Ladung werden wir Getreide bekommen, was weit höhere Ansprüche bedingt für die Abnahme der Laderäume.  Eineinhalb Tage Fahrt nur, was bedeutet, die Räume müssen bis dahin zuckerfrei und tiptop sauber gewaschen sein.  Und nicht nur das.  Getreideschotten müssen gesetzt werden, also über dem Zwischendeck eine solide Zwischenwand längsschiffs durch alle Räume.  Die vorgesehenen Stützen dafür liegen irgendwo unten im Raum, wo aber sind die Stander und sonstigen Beschläge?  Es findet sich nach und nach all das; die Crew kommt nicht drum herum, Tag und Nacht durch zu wühlen.  Allgemein großes Gefluche, aber so ist nun mal Trampfahrt.  Schließlich stehen die Schotten.  Ein im Grund simples Patent.  Im Zwischendeck sind sämtliche Scherstöcke eingesetzt, und darauf müssen mit Hilfe des Ladegeschirrs senkrecht die eisernen Doppel-T-Stützen eingeklinkt werden.  Diese wiederum sind oben zu den seitlichen Lukenkummings hin mit dreiviertelzölligen Drahtstandern verankert.  Die Drahtstander enden in soliden stählernen Fingerhaken, und die sind in dafür vorgesehene Öffnungen in der Kumming eingehakt.  Schließlich werden zwischen die T-Stützen von vorn bis achtern die Lukendeckel der Zwischendecks mit der Breitseite übereinander über die gesamte Höhe des Zwischendecks eingesetzt.  Loses Getreide hat die unangenehme Eigenschaft, dass es unterwegs nachsacken kann, sich verdichtet.  Sinn und Zweck des durchgehend aufgebauten Längsschotts ist also, zu verhindern, dass das lose Getreide bei starkem Seegang zur Seite übergeht und das Schiff Schlagseite bekommt.  Das aber kann tödlich enden!

Wir kommen auf der Reede von Hampton Roads an, und wiederum heißt es, erst mal ankern und Standby.  Und Tuckerton-Radio WSC und das UKW beobachten.  Wir machen es uns auf der Brücke gemütlich und betrachten die Gegend.  Eine riesiglange Brücke führt meilenweit auf Betonstelzen heran und taucht dann in einen ausreichend langen Tunnel ab, damit die vielen Schiffe und der Autoverkehr sich nicht in die Quere kommen.  Also, praktisch sind sie ja, die Amis.

Die Reede liegt voll mit fünfzehn bis zwanzig Schiffen, die alle wie wir auf die Beladung warten.  Tuckerton meldet sich nicht.  Die UKW-Funkstelle heißt hier nicht wie sonst üblich ‚Norfolk-Radio‘ oder ‚Newport News-Radio‘ oder so ähnlich, sondern ‚Norfolk Marine Operator‘.  Jedes Mal zur vollen Stunde meldet sich da auf Kanal 16 eine reichlich verknautschte, blechern klingend, weibliche Stimme mit breitem Südstaaten-Slang mit stark verdrehtem „R“ und liest gelangweilt ihre Liste runter mit den Schiffen, für die sie Messages vorliegen hat.  Der Schluss endet immer gleich, nämlich: „Noofaak M’rien Ahbereeda – Noofaak M’rien Ahbereeda – Noafack off“, was genau genommen klingt wie das bekannte – uramerikanische – „Now fuck off“ und uns damit immer wieder großen Spaß bereitet.

Die Nachricht zum Längsseitsgehen kommt morgens um vier Uhr (da schlafe ich natür­lich) über UKW, und als ich zum Frühstück geweckt werde, sind wir bereits fest an der Pier und schon am Laden.  Wir werden voll Mais geschüttet, und nach wenigen Stunden sind wir abgeladen bis dicht unter die MacGregors.  Unser Fahrtziel hat sich auch geändert, wir sind bestimmt für Cagliari auf Sardinien.  Ein winzig kleines Problem hat sich ergeben: Wir sind etwas überladen.  Die Nordatlantik-Winter-Lademarke ist eindeutig unter Wasser.  „Don’t worry Cap“, sagt der Agent zum Alten, „we’re here on thirty seven degrees north and so you sail just sixty miles south to Cape Hatteras and than you are officially on summer draft and on the safe side.  If you follow that on rhumbline straight over to Gibraltar than you ain’t get in any trouble, right cap?”  Der Alte nickt zustimmend.  Er kennt das schon.  Ab 36 Grad Nord rechnet man die Gewässer nach Süden hin als Sommertiefgang.  Einer von den kleinen Tricks, ohne die es bei der Seefahrt einfach nicht geht.  Im Nordatlantik-Handbuch wird diese Route folgendermaßen definiert: „Weg für alte und schwache Dampfer.”

Wir fahren los.  Unser nächstes Ziel ist Ceuta, wir sollen dort bunkern.  3.400 Meilen sind es bis dahin.  So weit so gut.  Wir haben den sechsunddreißigsten Breitengrad, so wie uns aufgegeben nach Süden passiert und fahren jetzt genau auf Ostkurs dem Affenfelsen entgegen.  Am zweiten Tag kommt zunehmend Wind auf, steigert sich.  Gegen Abend haben wir Stärke acht gegenan, morgens darauf Sturm um die neun, steigert sich auf zehn und mehr.  Das Selbststeuer ist längst ausgeschaltet, der Alte lässt Ruder gehen.  Mittags kommt der Wetterbericht von NAM, kein Wort von einem Tief oder Trog steht da drin.  Ist auch nicht mal als Andeutung auf der Wetterkarte heraus zu lesen, für die ich täglich die Analyse aufnehme.

Die Nacht kommt.  Meine Wache endet abends um zehn.  Ich fühle mich durch das stundenlange ständige Gegenanstützen gegen das Geschaukel an meinem Funktisch wie gerädert.  Immer wenn es ganz hart kommt, greife ich instinktiv an die Einschubgriffe des Mittelwellensenders, in der vagen Hoffnung, dass die Geräte ja auch äußerst stabil montiert sind.  Bloß ab in die Koje!  Aber von wegen.  Schlafen kann man vergessen.  Das Schiff rollt und stampft, und man kann sich nur noch zwischen Kojenbrett und der Wand mit Händen und Füßen quer einkeilen und hoffen, dass man nicht rausfliegt.  Und – obwohl ich nun alles, aber auch wirklich alles weggestaut und verriegelt und verkeilt habe, irgendwas juckelt sich los, rutscht, schleift hin und her, macht Geräusche.  Also raus, Wäsche dazwischen gestopft.  Wenn der Dampfer besonders stark überholt, dann rollt draußen im Gang irgendwo über der Deckenverschalung eine Flasche oder sonst was spazieren.  Der vom Körper so dringend verlangte Schlaf wird so zur Tortur.  Als ich frühmorgens dann schließlich hochschrecke, meine ich höchstens eine Stunde lang so etwas wie Schlaf erlebt zu haben.  Beim Frühstück sehen alle übernächtigt aus.  Die üblichen Witze fallen dünn aus. 

Der Sturm flacht mal ein wenig ab, steigert sich dann wieder.  Es ist weniger der Wind, es sind die riesigen, sich auftürmenden Wellenberge, die da backbord von vorn anlaufen und uns Sorgen machen.  „Da muss doch irgend ein Riesending von Tief südlich von uns stehen“, mosert der Alte.  Die FRIEDERIKE mit ihren 94 Metern „Länge über alles“ rauscht rein in das tiefe Tal und wird gleich drauf von der nächsten sich uns entgegen werfenden Welle abrupt abgebremst.  Den Berg muss sie dann regelrecht wieder erklimmen.  Dabei ist sie eigentlich dafür gebaut, für solches Wetter.  Der Steven taucht tief ein, das ganze Schiff schüttelt sich, die A-Masten vibrieren, und die Bäume wippen und schlagen laut in den Halterungen.  Im Funkraum zittern und rappeln die schweren Geräte auf ihren Schwingmetallen, dass es einem Angst wird.  Man staunt, wie sie das so weg steckt, die FRIEDERIKE – Stunden und aber Stunden.  Aber so etwa jede vielleicht dreißigste, vielleicht fünfzigste Welle, ganz sicher die hundertste – wer zählt da schon genau mit – ist einfach zu stark, zu steil, zu gewaltig, und die bricht dann mit Wucht über dem Vorschiff zusammen.  Grünes Wasser – zwanzig? dreißig Tonnen? – fällt hart und massiv „über Back, Deck und Luken“ – wie es so schön heißt.  Das ganze Schiff schüttelt sich, vibriert äußerst heftig in seinen Verbänden –  steht!  „Mann!  Wenn uns bloß die Maschine nicht schlapp macht!“  Jeder auf der Brücke sagt das irgendwann mal.

Man horcht förmlich nach hinten Richtung Schornstein und atmet durch, wenn der Jockel anschließend wie befreit wieder aufdreht.  Wenn der keinen Regler hätte, der die unterschiedlichen Belastungen etwas ausgleicht, dann hätte es schon längst mal geknallt da unten.  Ich hangele mich zum Essen runter.  Auf den Treppen und in den geschlossenen Gängen kann man sich nur noch an den Handläufen anklammern, das natürliche, sonst an die gleichmäßig wiegenden Schiffsbewegungen gewöhnte Körpergefühl ist irgendwie aufgehoben.  Der Messbüdel hat zusätzlich zu den hochgeklappten Schlingerleisten klitschnasse Laken auf die Backen aufgelegt.  Runter rutschen dürfte nun eigentlich nichts mehr – wenn die Schraube nicht gerade mal halb heraus gehoben heftig auf das Wasser einschlägt, aber trotzdem ist es mit dem Auslöffeln des Eintopfes so eine Sache.  Die Stühle sind mit Lederriemen an die im Boden angeschraubten Augbolzen festgezurrt, aber zu den Seegangsbewegungen muss man mit den Beinen gegenan stützen, um nicht vom Stuhl zu rutschen.  Außerdem ist es unumgänglich, mit beiden Händen seinen Teller in Balance zu halten, sonst schwappt dir die Suppe über den Tisch oder über Hemd und Hose.  Jetzt noch geduldig den richtigen Moment der Schwebe abpassen und  – jetzt – schnell den Löffel zum Mund führen.  Ist alles gar nicht so einfach.  „Ich glaub’ i–i–ich sch-spinne – m-m-meine Fresse!“ knurrt der Zweite Ing – leicht stotternd verbissen, „se-se-so was hab ich aber auch noch nicht erlebt…“

Nachmittags eine neue Situation.  Die Seen kommen immer noch schräg von Backbord vorn, und wenn eine davon durch die Wasserpforten oder auch über die Verschanzung haut, ist das Versaufloch überschwemmt, ja für Momente das gesamte Steuerbord-Vorschiff unter Wasser gesetzt.  Hoppi hat beobachtet, dass mindestens zwei von den Deckeln für die Tank-Entlüftungen von der Wucht des Wassers weggerissen worden sind.  Es besteht damit größte Gefahr, dass Seewasser in die Tanks für Schweröl und Diesel reinläuft.  Was das für Folgen haben kann, mag man sich gar nicht ausmalen.  Gibt also nur eines: Die verdammten Luftrohre müssen dicht!

Freiwillige vor!  Scheich und Zimmermann übernehmen das ohne langes Zögern.  Auch wenn es nicht sommerlich warm ist, so ist es doch ein Job für Hemd und Badehose.  Und Noraschuhe.  Alles andere wäre hinderlich.  Die beiden haben sich angeleint; Helfer stehen geschützt im Hintergrund bereit.  Der Alte geht mit der Maschine auf ‚Langsam‘ runter und dreht den Dampfer nach Steuerbord; aus dem Wind.  Dann eilen die beiden über Deck, ausgerüstet mit kurzen Brettern, Lappen und Lukenkeilen.  Stopfen die Rohre dicht, Keile dazwischen, ein paar stramme Schläge mit dem Hammer.  Fest!  Der Dampfer fährt mit den Wellen wie ein Fahrstuhl hoch und runter.  Nur einmal wäscht eine See rüber, die denen bis über die Knie hochwächst, wird aber nicht weiter gefährlich.  Fertig, nix wie weg!

Wir setzen die Fahrt fort.  Das Wetter bleibt unverändert.  Noch so eine beschissene Nacht.  In der Koje habe ich so ein Gefühl, als ob ich jetzt mehr in einem schrägen Winkel zur Wand hin liege.  Rausfallen kann ich so nicht mehr.  Irgendwann ist man so groggy, dass man schließlich doch wegnibbelt.  Schlaf kann man das nicht nennen, eher eine länger anhaltende Ohnmacht.  Am frühen Morgen ist eine Wiederholung des Badeerlebnisses unserer zwei Unteroffiziere angesagt.  Die Kraft des Wassers hat irgendwann nachts die stramme Verkeilung einfach so weggeschlagen.

Als die nautische Abteilung das Mittagsbesteck errechnet hat, stellt man übereinstimmend fest, dass wir ein Etmal von ‚fünfzig Meilen zurück‘ haben.  Der Sturm hat uns tatsächlich trotz langsamer Fahrt nach Osten um diese Distanz zur US-Küste zurückgesetzt.  Und noch immer nichts im Wetterbericht.  Der Alte schüttelt den Kopf.  „Also Funker!  Wenn ich Ihnen beim Aufnehmen nicht auf die Finger gesehen hätte, dann würde ich glatt annehmen, Sie ham uns ’n alten Wetterbericht vom letzten Jahr untergejubelt.“  Mit der Zeit ist es nicht mehr wegzureden; es ist keine Täuschung durch die immer noch von seitlich vorn anrollenden Wellengebirge, nein – wir scheinen tatsächlich eine starke Schlagseite nach Steuerbord zu haben.  „Mann, Mann, Mann!“

Um es kurz zu machen: Dieser verdammte Sturm aus dem Nichts hält uns noch volle fünf Tage eisern im Griff.  Und als endlich alles vorbei ist – nachdem wir noch einmal ein Etmal von fünfzig Meilen zurück hatten und ansonsten fast nur auf der Stelle gedampft sind – da kommt von NAM so ganz nebenbei die Meldung: „Corrected position of gale…“  Genau auf unserer Position!  Und das war’s denn...

Noch eine Leseprobe:

Wir erfahren vom Agenten, unser Löschhafen Nouakchott ist die Hauptstadt der „Islamischen Republik Mauretanien“.  Diese gerade erst von den Franzosen in die Selbständigkeit entlassene Ex-Kolonie besteht aus rund einer Million Quadratkilometern bestem Sahara-Sand; grenzt im Norden an die Noch-Kolonie Spanisch-Sahara und im Süden an den Senegal.  An der offiziellen Staatsbezeichnung ‚Islamische Republik’ lässt sich bereits die konservative Grundhaltung einschätzen.  Die hausen da hauptsächlich noch in Zelten in der Wüste...

 

...Nachmittags unternimmt der Alte eine kleine Erkundungsfahrt mit unserem Motor-Rettungsboot.  Wer will, kann mit.  Das Ganze läuft unter Bootsmanöver.  Wir fahren also erst mal die knapp eine Meile zur Pier rüber.  Die besteht aus zahllosen eisernen Pfählen, die rechtwinklig zum Strand ins Meer hinausgebaut sind, und die Abdeckung oben ist gute zehn Meter hoch.  Keine Leiter nach oben, nichts.  Wie – zum Henker – soll man da denn hochkommen?  Die Wellen brechen sich an den Pfählen, und der anbrandende Schwell hebt und senkt unser Boot laufend ‚so um und bei‘ bis zu zwei Meter.  Wir drehen ab.  Der Alte nimmt Kurs auf die Küste, fährt verspielt längs der steilen Brandungswelle, lässt das Boot daran emporklettern, reitet die Welle, als ob er sagen will: Mit dir werd’ ich fertig.  Der kräftige Diesel hat genug Power dazu, und das Boot hält sich prima.  Der macht das so ganz gut, der Dicke, aber zu einer Landung am Strand hat er keine Lust und dreht schließlich ab, fährt zum Dampfer zurück.

Am nächsten Tag hat der Alte zur Zerstreuung der Besatzung eine Badefahrt angesetzt. Brummi ist Bootsführer und hat ‚das Ganze’.  Neun Mann finden sich zu diesem Ausflug zusammen, die beiden Ings, der Koch, zwei Assis, zwei Mann von Deck und ich.  Was ist das Wichtigste, was man bei solchen Gelegenheiten mitnimmt – außer Badezeug natürlich – richtig, Bier und Zigaretten, dazu ’ne Flasche ‚Hausbrand’.  Und gute Laune, weil’s ja mal was anderes ist.  Wir tuckern los, machen dasselbe wie gestern der Alte.  Nachdem wir wiederum keinerlei Möglichkeit entdecken können, die Pier, auf welche Art auch immer, zu erklettern, dreht Brummi ab in Richtung Badestrand.  Das, was irgendwie so aussieht, da in Richtung Norden. Wir sehen vereinzelte kleine Gruppen von Menschen an der Beach und auch beim Baden.  Sie schauen alle neugierig zu uns rüber.  Man kann bereits Europäer und einige Einheimische in weißen wallenden Gewändern auseinander halten.  Beim Näherkommen erkenne ich vage einen einzelnen älteren Europäer.  Ihm fehlt der linke Arm.  Aha.  Der Franzmann erzählte doch gestern, dass der deutsche Botschafter am Ort einarmig ist, und sein Name lautet von Arnim.  Reichlich makabres Wortspiel, dachte ich noch so für mich.  Tscha, und nun wandelt Herr von Arnim womöglich da drüben am Saharastrand entlang.  Brummi spielt genüsslich dieses Wellenreiten-Spiel...

Ein Assi springt über die Kante, schwimmt nach Land zu.  Der Koch und ich tun es ihm nach.  Das Wasser ist reichlich warm, weich und salzig.  Die Welle trägt mich Richtung Beach.  Und – dieser Europäer da dreißig Meter vor mir sieht ausgesprochen deutsch aus und hat nur einen Arm; sicherlich gibt es in so einem kleinen Wüstenkaff wie Nouakchott keinen zweiten einarmigen Europäer.  Die meisten von denen sind ja Entwicklungsdienstler, Techniker und Ingenieure, und dafür sind Leute mit zwei Armen Voraussetzung.  Ich nähere mich dem Einarmigen, der mit der verbliebenen Hand die Sonne abschirmt und Brummis Fahrkünste zu bewundern scheint.  Also, der muss das sein.  Schon verspüre ich Boden unter den Füßen, will gerade frohgemut meinen Spruch loswerden: „Guten Tag, Herr Botschafter…“, da höre ich neben mir den Schrei vom Koch: „Das – Boot – ist – umgekippt!!!“

Also sag mal, spinnt denn der?  Quatsch, ein deutsches Rettungsboot kippt nicht um!  Da ruft der wieder: „Das Boot, da…!“ und ich drehe mich voll rum.  Das gibt es doch nicht!  Da, wo wir eben noch fröhliches Wellenbumsen veranstalteten, die große Show für die versammelten Nouakchotter abzogen, da treibt es knapp hundert Meter hinter mir kieloben in der Brandung.  Der weiße Kiel tanzt auf und nieder, und unsere Piepels spaddeln alle drum herum.  Ach du Sch…  Nicht wie hin, Jetzt sind wir wirklich die Sensation am Strand!  Alle bemühen sich, zu retten, was zu retten ist.  Zum Glück hat keiner von den Jungs beim Umschlagen in diesem flachen Wasser was abgekriegt, aber es treibt eine Menge von der Ausrüstung herum, und außerdem müssen wir das Boot erst mal wieder in normale Lage bekommen.  Alles, was da jetzt so herum driftet, irgendwie absaufen kann, wird ergriffen und an Land gebracht.  Nachdem ich meinen Campingbeutel mit dem Marschproviant (die kostbare Doornkaat-Buddel) und ein paar andere Klamotten geborgen habe, unterstütze ich die anderen bei ihren Bemühungen, das Boot wieder auf ebenen Kiel aufzurichten.  Keine Chance.  So sehr wir alle Neune uns mit vereinten Kräften an die Greifleisten klammern und ziehen, drücken und reißen, das Boot denkt gar nicht daran, sich wieder umdrehen zu lassen.

Was tun…?  Zu unserem Glück sind in der Nähe der Pier ein paar Dutzend Schwarze mit Molenbauarbeiten beschäftigt, und als einer von uns hinrennt und mit Händen und Füßen gestikulierend um Hilfe bittet, sind sie begeistert dabei, die schwarzen Boys.  Mit vereinten Kräften von mehr als zwanzig Mann klappt es dann endlich.  Allgemeiner Jubel!  Als es randvoll mit Wasser endlich wieder auf ebenem Kiel schwimmt, begehen wir jedoch einen kapitalen Fehler, wie wir leider erst viel später feststellen.  Zunächst versuchen wir mit dem Ösfass das jetzt zwischen der dritten und zweiten Brandungswelle auf und nieder dümpelnde Boot leer zu schöpfen, aber für jede zwanzig Liter, die wir rausschaffen, haut uns die Brandung gleich tonnenweise wieder Wasser rein.  Aussichtslos!

So beschließen wir, das Boot erst mal an den Strand zu ziehen.  Wenn es höher raus kommt, dann werden wir es schon irgendwie leer kriegen.  Das erweist sich aber als Trugschluss, die Wellen rauschen auch am Strand über das tief im Wasser liegende Boot hinweg.  Also liegen lassen und Kriegsrat halten.  Mit eintretender Ebbe, so meinen wir, wird’s schon werden.  Erst wird mal Treibholz gesammelt – zum Glück liegt genug herum – und ein Feuer angemacht, um die Sachen zu trocknen. Inzwischen haben sich eine Menge Leute eingefunden – fast durchweg Europäer – die alle lebhaften Anteil an unserer Lage nehmen.

Auch zwei Deutsche von unserer Botschaft sind da – vom Botschafter selber ist allerdings nichts mehr zu sehen.  Vielleicht ahnt, fürchtet er heraufziehende Komplikationen.  Ein freundlicher Franzose kommt mit seiner Frau hinzu, beteiligt sich mit einigen deutschen Brocken an unserer Diskussion und schlägt vor, wir brauchen einen Truck, um das Boot weiter zum Strand hochzuziehen, damit kein Wasser mehr reinschlägt.  Die Idee an sich sehr gut, aber wo bitte sehr sollen wir in dieser saharischen Einöde mal eben so einen Truck her bekommen.  Sand, soweit das Auge reicht, und kein Abschleppunternehmen in der Gegend, da kannste wetten drauf.  Die Hauptstadt ist dreizehn, der so genannte Hafen nur einen Kilometer entfernt, ist aber wegen Sonntagsruhe geschlossen.  Also sichten wir erst mal unsere Bestände und beratschlagen.  An ‚Proviant’ finden sich lediglich die Flasche „Namensgeber“ und zwei Flaschen Bier für jeden.  Die Zigaretten sind natürlich klatschnass, aber damit wird uns von den mitfühlenden Zuschauern fürs erste ausgeholfen.  Nächste Maßnahme also: Der rangniederste Assi wird sogleich mit einem Botschaftsmenschen, der mit dem Wagen zum Strand gekommen ist, in die Hauptstadt geschickt, um einen Vorrat an Zigaretten zu besorgen.  Ohne Smokes läuft nun mal nichts auf einem deutschen Schiff anno 1968, das hat auch für Rettungsboote zu gelten.  Anschließend bauen wir uns eine große Sandburg zum Schutz gegen den einsetzenden Wind, ist es uns inzwischen doch klar geworden, dass wir die Nacht hier verbringen müssen.  Von unserem Dampfer ist absehbar keine Hilfe zu erwarten, wo doch das zweite Rettungsboot keinen Motor hat.  Reedereien begründen derlei kleinliche Sparmaßnahmen gerne mit dem Spruch, „damit die Seeleute nicht das Pullen verlernen“.  Klugscheißer die!

„Tscha, is schon’n Hammer, Hein Seemann gestrandet in der Wüste.“  Das nimmt dir so schnell keiner ab.  Holz zum Nachlegen des Feuers findet sich reichlich am Strand und wird heran geschafft.  Mit der sich neigenden Sonne wird es merklich kühler.  Die ‚eingeborenen’ Europäer warnen uns dringend davor, hinter den schützenden Dünen in der Wüste zu übernachten, weil es da nämlich Giftschlangen gäbe.  Und zwar reichlich.  Auch das noch!

Der Zigarettenbesorger ist bald wieder da, und als die Stäbchen endlich qualmen, nehmen wir das Ganze als interessantes Abenteuer.  Kurz vor Dunkelwerden besucht uns der nette Franzose mit seiner Frau nochmals und hat Sandwichs, Zigaretten und sogar für jeden eine Flasche Bier mitgebracht.  Großes Hallo, denn in der „Islamischen Republik“ ist Bier rar und teuer.  Ein wahrhaft nobles Geschenk.  Er redet auch wieder davon, ein Truck müsse her, und wir stimmen höflich zu in der Überzeugung, dass dies ein gut gemeinter Wunschtraum bleibt.

Nachdem Monsieur und Madame sich schließlich verabschiedet haben, bereiten wir uns auf die Nacht vor.  Nach guter Seemannschaft werden Wachen eingeteilt, die sich alle zwei Stunden ablösen werden, um nach dem Boot zu sehen, damit es zu allem nicht auch noch abtreibt.  Man weiß ja nie...  Obwohl wir die Wälle unserer Sandburg mehr als einen Meter hoch aufgetürmt haben, sind wir darin noch immer ungenügend gegen den ständigen scharfen Wind geschützt.  Die dünnen Klamotten sind salzfeucht und klamm, und der Sand kratzt unangenehm auf der Haut.  Zum Zudecken haben die meisten von uns ein Handtuch mit; na ja, besser als gar nichts ist das schon.  Das in der Mitte lodernde Feuer verbreitet einige Wärme, auch ein Gefühl von heimeliger Sicherheit, andererseits ist es auch nicht gerade angenehm, im beißenden Rauch zu liegen.  So wird es ist ein ziemlich anstrengendes Schlafen; mehr als ein Dösen wird kaum draus.  Ich bin mühsam halb weggedämmert, als mich plötzlich etwas von unten an der Wade kratzt.  Erschrocken und reflexartig ziehe ich mein Bein an und – aus dem Sand kommt ein Krebs - ein Dwarsloper – raus gekrochen und flitzt gleich darauf eifrig ins schützende Dunkel Richtung Wasser davon.  Ich blicke mich nervös um; am Strand wimmelt es von den Viechern.  Nach einer Stunde unruhigen Halbschlafs schrecke ich erneut hoch; irgendetwas hat mich alarmiert.  Ganz schwach zu vernehmen – nanu – Motorengeräusch!  Nach angestrengtem Umherschauen bemerke ich von ferne ein Licht über die Dünen heranwandern.  Es schwankt und verlischt zwischendurch, aber zweifellos ist da ein elektrischer Scheinwerfer.  Nach und nach wird das Motorengebrumm lauter; es scheint beides zusammenzugehören.

Inzwischen sind auch die anderen aufgewacht und starren gleichfalls verblüfft auf das langsam sich nähernde Ding.  Und wir glauben unseren Augen nicht zu trauen, das „Ding“ ist tatsächlich eine ausgewachsene Planierraupe mit einer riesigen Schaufel vorne dran.  Rasselnd und dröhnend schlittert sie den Dünenhang herab und bleibt vor unserer Sandburg stehen.  Gelenkt wird das Monster von einem bulligen Senegalneger, und neben ihm auf dem Sitz hockt strahlend unser freundlicher Monsieur.  Wir können es kaum fassen und jubeln überwältigt den beiden zu.

Wie der gute Franzmann mitten in der Nacht in der Sahara zu dieser Planierraupe gekommen ist, bleibt ein Rätsel.  Na ja, dann geht’s los.  Schnell die Fangleine vom Boot zur Raupe und ordentlich festgemacht, und dann gibt der Fahrer langsam und vorsichtig Gas.  Etwas mehr Gas.  Das Boot rührt sich nicht von der Stelle.  Ein Knall – die Leine ist gebrochen.  Also schnell ’n Kreuzknoten rein und noch einmal das Ganze.  Und wieder bricht sie.  Nach dem fünften Mal geben wir auf.  Unser Franzmann meint, wir sollen gleich frühmorgens ein paar Stahlseile von der Wharf holen, und dann kommt die Raupe wieder, und dann sollte es eigentlich klappen.  OK.  Das Ungetüm verschwindet rasselnd und quietschend in der Wüste.  Wir lassen uns wieder in den Sand fallen und versuchen leicht klappernd noch etwas Schlaf zu finden.  Irgendwie klappt es dann ja auch, und frühmorgens werde ich von der aufgehenden Sonne geweckt.  Ein erster Blick zum Boot: Es ist noch da.  Warum auch nicht?  Aber dann – bei näherem Hinsehen – bekomme ich einen Schreck: Zwar herrscht Ebbe, und die Brandungswellen kommen bei weitem nicht mehr an das Boot heran, aber – es ist voll – mit Sand!  Das ganze Boot ist so voller Sand, dass sogar die Duchten teilweise schon überdeckt sind.  Von außen betrachtet aber steckt es so tief im Sand, dass es mal gerade noch dreißig Zentimeter Freibord hat, wenn man das so nennen will.  Na, schöne Bescherung!  Einleuchtende Erklärung: Der Sand ist über Nacht von der verdammten Brandung in das Boot herein geschwemmt worden.  Das überschüssige Wasser der Wellen lief oben raus, und der schwere Sand lagerte sich am Boden ab, wurde mit jeder Welle mehr.  Ein Rettungsboot von vielleicht sieben Meter Länge fasst wohl um die gleiche Zahl an Tonnen.  Also, an die drei bis vier Kubikmeter Sand haben wir bestimmt ‚geladen’.

Hilft nichts, alle Mann ran und mit Händen und dem geretteten Ösfass, haste was kannste, den Sand rausgeschippt, raus geschmissen.  Dabei knurrt allen der Magen, und wir erinnern uns, dass wir seit mindestens 18 Stunden nichts mehr gegessen haben.  Es mangelt nicht an sarkastischen Bemerkungen.  Als der Sand einigermaßen raus ist, sehen wir auch schon die Planierraupe aus der Ferne herantuckern.  Neuer Schreck: Das nun erleichterte Boot denkt überhaupt nicht daran, in dem flachen, jetzt völlig ruhigen Wasser aufzuschwimmen.  Es verharrt unverrückbar fest im feinen Saharasand und rührt sich kein bisschen, hat sich regelrecht festgesaugt.

Der schwarze Planierraupen-Kapitän, der bald darauf mit seiner Maschine eintrifft, kratzt sich am Schädel und meint, es wäre zu riskant, mit dem zig Tonnen schweren Monstrum in das seichte Wasser und um das Boot herumzufahren, um es mit dem hydraulischen Schieber frei zu baggern.  Immerhin besteht die Gefahr, dass sein Gerät im Treibsand versinken könnte.  Aber schließlich fängt er dann doch an zu baggern, und nach einer Weile, mutiger geworden, fährt er sogar durch das seichte Wasser um das Boot herum.  Aber es dauert immer noch eine lange, bange Viertelstunde, bis es sich mit einem schmatzenden Geräusch aus seinem sandigen Bett löst und unter allgemeinem Beifall endlich aufschwimmt.  Dankbar drücken wir unseren beiden Rettern die Hand und nötigen dem widerstrebenden Raupenfahrer unsere gesamte Barschaft verschiedenartigster Währungen auf – wenn auch von bescheidenem Gesamtwert – und verabschieden die beiden auf das herzlichste.

Kurze Zeit später taucht der kolumbianische Matrose Victor von der FRIEDERIKE auf.  Er hat einen verschnürten Alutopf mitgebracht und erklärt, auf Anordnung des Kapitäns sollen alle Mann mit Ausnahme des Funkers sofort an Bord zurückkehren.  Schließlich ist Montag und damit Arbeitszeit.  Der Funker hätte ja sowieso nichts zu tun und soll deshalb da bleiben und auf das Boot aufpassen.  Der Topf enthält eine Portion Bauernfrühstück für mich.  Okay, aber dass ein menschlicher Körper nach längerem Aufenthalt in oder an der Sahara dringend nach Flüssigkeit verlangt, daran hat unser überaus fürsorglicher Fettkloß nicht gedacht.  Missmutig ergebe ich mich in mein Schicksal, bestehe aber darauf, dass der neu hinzu gekommene Matrose für den Fall der Fälle zu meiner Unterstützung bei mir bleibt.  Mit Brummi spreche ich ein Alarmzeichen ab (Schwenken mit einem Bootsriemen) falls sich irgendetwas Unvorhergesehenes ergeben sollte.  Die anderen setzen von dem inzwischen eröffneten Hafen aus mit einer der Barkassen dort an Bord über.

Wir zwei bleiben zurück, und ich denke, so etwas erlebst du auch nicht alle Tage, Relaxen am Saharastrand.  Aber!  Schon bald werden die nächsten Stunden zur Tortur.  Die zunehmend steiler stehende, glühende Saharasonne will uns beweisen, was sie so drauf hat.  Außer der Badehose und dem ärmellosen Unterhemd habe ich praktisch keine Bedeckung, keinen Schutz.  Das mitgebrachte Handtuch ist von kleinem Format.  Über sonstigen Sonnenschutz verfügen wir nicht.  Aus den kleinen Bootsgrätings lässt sich kein Dach bauen.  Meine Haut brennt ohnehin schon von Salz und Sand, und um etwas Kühlung zu erhalten, lege ich mich in das flache Wasser und halte mir eine schwimmende Gräting über den Bauch.  Aber ewig kann ich auch nicht im Salzwasser liegen und so wandere ich am Strand auf und ab.

Nach wenigen Stunden fühle ich mich wie eine einzige große Brandblase.  Ich frage mich, wie lange es noch bis zum Sonnenstich dauern wird.  Victor leidet etwas weniger als ich, ist ja auch nicht die ganze Nacht Salz und Sand ausgesetzt gewesen und seine Haut deshalb noch nicht so angegriffen.  Aber auch ihm wird es zu viel.  Gemeinsam veranstaltetes Winken mit den Bootsriemen wird auf dem eine Seemeile entfernten Dampfer weder zum Smoketime noch sonst wann wahrgenommen.

Endlich gegen 13 Uhr erscheint ein Ablöser für mich.  Der ein Kilometer lange Weg zur Wharf unter der senkrecht hernieder knallenden Sonne will kein Ende nehmen.  Aber schließlich habe ich das geschafft und auch die Tortur der Überfahrt und ich sehne mich nach einem schattigen Winkel irgendwo an Bord, um meine Wunden zu pflegen.  Aber nein, es sollte noch lange nicht sein.  Unser Siebteltonner hat noch einen ganz wichtigen Job für mich.  Er zitiert mich zu sich und befiehlt mir – dröhnend wie es nun mal seine Art ist – die Post an Land zu bringen.  Sein „Motto“, wie ja schon früher angekündigt, ist, „dass der Funker, der ja sowieso nichts zu tun hat“, im Hafen die Post zu erledigen – sprich wegzubringen – hat.  Die ‚Post’ besteht in diesem Fall aus zwei mickrigen privaten Postkarten, sonst nichts.

Ergeben in mein Schicksal raffe ich mich noch mal auf.  Der ‚Gang zur Post’ ist mit folgenden erschwerenden Umständen verbunden: Klettertour über die Knüppelleiter auf die im meterhohen Schwell gefährlich an der Bordwand auf und nieder fahrenden Leichter.  Falls man den falschen Moment beim Aufspringen erwischt und zwischen diese hundert Tonnen schweren stählernen Kästen und unsere Bordwand gerät, dann sind mindestens die Knochen hin.  Mit Glück aber geschafft.

Die Schute ist noch nicht ganz voll.  Während der zwanzigminütigen Wartezeit betrachte ich etwas gelangweilt einen Senegal-Neger von der Stauerei, der zwei Meter von mir entfernt auf den Jute-Säcken kauert und angelt.  Er hat nichts am Leib außer einer zerschlissenen kurzen Hose und ausgetretenen Plastiklatschen.  In der Hand eine dünne Sehne, ein Gewicht dran und ein Haken.  Der auffallend kleine kugelige Kopf dieses Menschen mit kurz geschorenen Haarkräuseln drauf will zu der hünenhaften Figur mit der stumpfschwarzen Haut nicht so recht passen.  Einer hat angebissen, ein kräftiger Katfisch ist es, den er da rausholt.  Der Mann zieht seinen Fang mit bedächtig langsamen Bewegungen aus dem Wasser, reißt ihm ohne sichtbare Regung im Gesicht ganz langsam den Haken aus dem Maul und lässt den Fisch zu seinen Füßen auf das Eisendeck fallen.  Schaut völlig ausdruckslos zu, wie der Fisch sich langsam zu Tode zappelt.  Selbst die Augen von dem Kerl plinkern wie in Zeitlupe.

Endlich kommt die Barkasse und schleppt uns rüber zur Pier.  Auch heute hat man dort keine Treppe oder ähnliches installiert, um die zehn Meter nach oben zu gelangen.  Es bleibt kein anderer Weg, wer da hoch will, muss sich an eine der mit Strohballen voller Zuckerhüte vollgepackten Netzbrooken anklammern und wird dann wie eine reife Frucht daran baumelnd mit dem Kran hoch auf die Pier gehievt und abgesetzt.  Als das wie auch die anschließende Zollkontrolle überstanden ist, stellt sich das Problem, wie ich nun in die zwölf Kilometer entfernte Hauptstadt gelangen werde.  Taxi ist nicht.  Ein paar herumlungernde Soldaten der glorreichen mauretanischen Armee bieten mir an, mich mit ihrem Jeep mitzunehmen.  Also gut, ich nehme das dankbar an, und kaum sitze ich, da wollen sie auch schon liebevoll die Arme um mich legen.  Mit einigem Nachdruck kann ich sie überzeugen, dass ich ganz und gar nicht von der Sorte bin, und ab geht die Fahrt, ohne dass ich weiter betatscht werde.

Die Fahrt durch die Wüste ist ungefähr so aufregend wie durch die sibirische Tundra, nur dass es nicht so kalt ist.  Hin und wieder mal ein Dornbusch und zweimal in einiger Entfernung aus unterschiedlich eingefärbten Planen und Decken zusammengestoppelte, großflächige Beduinenzelte mit ein paar streunenden Ziegen ringsum, das ist alles.  Wir nähern uns allmählich der Hauptstadt.

Kurz davor eine hohe Sanddüne als besonders markanter Punkt in dieser Einöde.  Gekrönt ist sie von einem nagelneuen, umfangreichen Bauwerk.  Nein, erfahre ich später, es ist nicht die Residenz des Präsidenten der Islamischen Republik, man hat sich da angeblich mit Entwicklungshilfegeldern einen hochmodernen Knast hinstellen lassen.  Na ja, muss wohl auch sein in einem jungen Land.  Die geschmeidigen Uniformierten fahren mich ohne Umwege zu dem gleichfalls nagelneuen Postamt.  Die ‚Post’ ist schnell erledigt.  In der gefälligen Hauptpost von Nouakchott gibt es zwei Schalter; einer davon ist speziell für Philatelie-Dienste eingerichtet.  Unter dem reichhaltigen Briefmarkenangebot stechen besonders solche mit Motiven von den kommenden olympischen Winterspielen ins Auge... 

 

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Seemannsschicksale

Band 1 - Band 1 - Band 1 - Band 1

Begegnungen im Seemannsheim  

ca. 60  Lebensläufe und Erlebnisberichte

von Fahrensleuten aus aller Welt 

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Seemannsschicksale

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Lebensläufe und Erlebnisberichte

 Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten,   als Rentner-Hobby aufgezeichnet bzw. gesammelt  und herausgegeben von  Jürgen Ruszkowski

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Seemannsschicksale

   Band_3

 Lebensläufe und Erlebnisberichte

Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten

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 Edition 2004 - Band 4

Seemannsschicksale unter Segeln 

Die Seefahrt unserer Urgroßväter

im 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhunderts 

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  Band 5

 Capt. E. Feith's Memoiren

Ein Leben auf See

amüsant und spannend wird über das Leben an Bord vom Moses bis zum Matrosen vor dem Mast in den 1950/60er Jahren, als Nautiker hinter dem Mast in den 1970/90er Jahren berichtet    

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Leseproben und Bücher online

Seemannsschicksale

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erwähnte Personen

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Band 7  

in der Reihe Seemannsschicksale:

Dirk Dietrich:

Auf See

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Dietrich's Verlag

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Band 8

Maritta & Peter Noak

auf Schiffen der DSR

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  Band 9

Rainer Gessmann

Endstation Tokyo

Die abenteuerliche Karriere eines einfachen Seemannes  

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Endstation Tokyo

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Band 10 - Band 10  

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Himmelslotse

Rückblicke:   27 Jahre Himmelslotse  im Seemannsheim  -  ganz persönliche Erinnerungen an das Werden und Wirken eines Diakons

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Genossen der Barmherzigkeit 

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Diakonenportraits

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Band 12 - Band 12  

Autobiographie: 

Diakon Karlheinz Franke 

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Band 13  - Band 13  

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Conrad H. v. Sengbusch

Jahrgang '36

Werft, Schiffe, Seeleute, Funkbuden 

Jugend in den "goldenen 1959er Jahren"

Lehre als Schiffselektriker in Cuxhaven

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  Band 15

Wir zahlten für Hitlers Hybris

mit Zeitzeugenberichten aus 1945  über Bombenkrieg, Flucht, Vertreibung,  Zwangsarbeit und Gefangenschaft 

Ixlibris-Rezension

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Band 16

Lothar Stephan

Ein bewegtes Leben - in den Diensten der DDR - -  zuletzt als Oberst der NVA

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 Dietrich's Verlag   

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  Band 17 

Als Schiffskoch weltweit unterwegs

Schiffskoch Ernst Richter

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Seemannsschicksale

 aus Emden und Ostfriesland  

 und Fortsetzung Schiffskoch Ernst Richter auf Schleppern

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ein Seemannsschicksal:

Uwe Heins

Das bunte Leben eines einfachen Seemanns

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  Band 20  

ein Seemannsschicksal im 2. Weltkrieg

Kurt Krüger 

Matrose im 2. Weltkrieg

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 Band 21

Ein Seemannsschicksal: 

Gregor Schock

Der harte Weg zum Schiffsingenieur 

  Beginn als Reiniger auf SS "RIO MACAREO"

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  Band 22

Weltweite Reisen eines früheren Seemanns als Passagier auf Fähren,

Frachtschiffen

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   Band 23

Ein Seemannsschicksal:

Jochen Müller

Geschichten aus der Backskiste

Ein ehemaliger DSR-Seemann erinnert sich

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  Band 24

Ein Seemannsschicksal:

Der maritime Liedermacher 

Mario Covi: -1-

Traumtripps und Rattendampfer

Ein Schiffsfunker erzählt

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Liebe findet immer einen Weg

Mutmachgeschichten für heute

Besinnliche Kurzgeschichten

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Sonnenstrahlen

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Monica Maria Mieck:

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Durch alle Nebel hindurch

erweiterte Neuauflage

Texte der Hoffnung

besinnliche Kurzgeschichten und lyrische Texte

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 Band 29 

Logbuch

einer Ausbildungsreise

und andere

Seemannsschicksale

Seefahrerportraits

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  Band 30

Günter Elsässer

Schiffe, Häfen, Mädchen

Seefahrt vor 50 Jahren

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Thomas Illés d.Ä.

Sonne, Brot und Wein 

ANEKIs lange Reise zur Schönheit

Wohnsitz Segelboot

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Fortsetzung in Band 32

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Band 32

Thomas Illés d.Ä.

Sonne, Brot und Wein

Teil 2

Reise ohne Kofferschleppen

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Band 33

Jörn Hinrich Laue:

Die große Hafenrundfahrt in Hamburg

reich bebildert mit vielen Informationen auch über die Speicherstadt, maritime Museen und Museumsschiffe

184 Seiten mit vielen Fotos, Schiffsrissen, Daten

ISBN 978-3-00-022046-3

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Band 34

Peter Bening

Nimm ihm die Blumen mit

Roman einer Seemannsliebe

mit autobiographischem Hintergrund

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  Band 35

Günter George

Junge, komm bald wieder...

Ein Junge aus der Seestadt Bremerhaven träumt von der großen weiten Welt

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 Band 36

Rolf Geurink:

In den 1960er Jahren als

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Band 37  

Schiffsfunker Hans Patschke:

Frequenzwechsel

Ein Leben in Krieg und Frieden als Funker auf See

auf Bergungsschiffen und in Großer Linienfahrt im 20. Jahrhundert

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Band 38 - Band 38

Monica Maria Mieck:

Zauber der Erinnerung

heitere und besinnliche Kurzgeschichten

und lyrische Texte

reich sw bebildert

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Band 39 

Hein Bruns:

In Bilgen, Bars und Betten


Roman eines Seefahrers aus den 1960er Jahren

in dieser gelben maritimen Reihe neu aufgelegt

kartoniert

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  Band 40

Heinz Rehn:

von Klütenewern und Kanalsteurern


Hoch- und plattdeutsche maritime Texte

Neuauflage

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  Band 41

Klaus Perschke - 1 -

Vor dem Mast

1951 - 1956

nach Skandinavien und Afrika

Ein Nautiker erzählt vom Beginn seiner Seefahrt

 

 

Preis: 13,90 € - Bestellungen

  Band 42

 Klaus Perschke - 2 -

Seefahrt 1956-58

Asienreisen vor dem Mast - Seefahrtschule Bremerhaven - Nautischer Wachoffizier - Reisen in die Karibik und nach Afrika

Ein Nautiker erzählt von seiner Seefahrt

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Monica Maria Mieck:

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Winterwunder

weihnachtliche Kurzgeschichten

und lyrische Texte

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Band 44

Lothar Rüdiger:

Flarrow, der Chief 1

Ein Schiffsingenieur erzählt

Maschinen-Assi auf DDR-Logger und Ing-Assi auf MS BERLIN

 

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Band 47

Seefahrtserinnerungen

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Ehemalige Seeleute erzählen

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Jürgen Coprian:

Salzwasserfahrten 2

Trampfahrt worldwide

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FRIEDERIKE TEN DOORNKAAT

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Lothar Rüdiger:

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 Band 48:

Peter Sternke:

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Band 46

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Flarrow, der Chief 3

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Band 49:

Jürgen Coprian:

Salzwasserfahrten 1

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Ostasienreisen mit der Hapag

13,90 €Bestellungen

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Band 52 - Band 52

 Jürgen Coprian: 

Salzwasserfahrten 4

 MS "VIRGILIA"

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Band 56  

 Immanuel Hülsen

Schiffsingenieur, Bergungstaucher

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Leserreaktionen

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Band 57

Harald Kittner:

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zeitgeschichtlicher Roman-Thriller

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Band 58

band58minifrontcover.jpg

Seefahrt um 1960

unter dem Hanseatenkreuz

 

 

 

 

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Jürgen Ruszkowski,     Nagelshof 25,   

D-22559 Hamburg-Rissen,    

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 Bücher in der gelben Buchreihe" Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen Ruszkowski:
Wenn Sie an dem Thema "Seeleute" interessiert sind, gönnen Sie sich die Lektüre dieser Bücher und bestellen per Telefon, Fax oder am besten per e-mail: Kontakt:

Meine Bücher der gelben Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" über Seeleute und Diakone sind über den Buchhandel  oder besser direkt bei mir als dem Herausgeber zu beziehen, bei mir in Deutschland portofrei (Auslandsporto:  ab 3,00 € )

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Maritime books in German language:  fates of international sailors

Los libros marítimos en el idioma alemán: los destinos de marineros internacionales:

Los libros en el idioma alemán lo enlatan también, ( +  el extranjero-estampilla: 2,70 €), directamente con la editor Buy de.  


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Wenn ich nicht verreist bin, sehe ich jeden Tag in den email-Briefkasten.  Dann Lieferung innerhalb von 3 Werktagen.

Ab und an werde ich für  zwei bis drei Wochen verreist und dann, wenn überhaupt, nur per eMail:   Kontakt  via InternetCafé erreichbar sein!


Einige maritime Buchhandlungen in Hamburg in Hafennähe haben die Titel auch vorrätig:

HanseNautic GmbH, Schifffahrtsbuchhandlung, ex Eckardt & Messtorff, Herrengraben 31, 20459 Hamburg,  Tel.: 040-374842-0               www.HanseNautic.de

WEDE-Fachbuchhandlung, Hansepassage, Große Bleichen 36, Tel.: 040-343240

Schifffahrtsbuchhandlung Wolfgang Fuchs, Rödingsmarkt 29, 20459 Hamburg, Tel: 3193542, www.hafenfuchs.de

Ansonsten, auch über ISDN über Buchhandlungen, in der Regel nur über mich bestellbar.


Für einen Eintrag in mein   Gästebuch  bin ich immer dankbar.

Alle meine Seiten haben ein gemeinsames Gästebuch.  Daher bitte bei Kommentaren Bezug zum Thema  der jeweiligen Seite nehmen!

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  erwähnte Personen

Leseproben und Bücher online

musterrolle.de

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maritimbuch.de

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